Hilfestellungen
für pädagogisches Fachpersonal
Selbst- und Teamreflexion
Der Umgang mit Kindern die sich
geschlechtsvariant verhalten bzw. transidenten Kindern
für Eltern
Akzeptanz in der Familie
Mit negativen Reaktionen umgehen
Hilfestellungen für pädagogisches Fachpersonal
Selbst- und Teamreflexion
Essenziell für eine geschlechterbewusste Pädagogik ist es, die eignen Erlebnisse, berufliche wie persönliche, sowie seine eigene Rolle in Geschlechterverhältnissen zu reflektieren. Dafür eignen sich besonders Selbst- und Teamreflexionen. Eine Hilfestellung für so ein Gespräch unter Fachpersonen (optimalerweise ein Gespräch unter vier Augen) ist die folgende Checkliste.
Als ich ein Kind war:
- Wie sah ich damals aus? Wie habe ich mich gefühlt? Welche Spiele habe ich wo und mit wem gespielt?
- War ich ein eher »wildes« oder eher ein »braves« Kind?
- Passte ich in die geschlechtstypischen Vorgaben? Musste ich mich einem Geschlecht zuordnen? Hätte ich gerne einem anderen Geschlecht angehört?
- Was durfte ich? Was durfte ich nicht? Was hatte es mit meiner Geschlechtszugehörigkeit zu tun?
- Welche Aufgaben und Pflichten hatte ich als Kind, gab es geschlechtstypische Erwartungen?
- Welche Privilegien hatte ich aufgrund meiner Geschlechtszugehörigkeit?
- Wie wäre ich gerne gewesen? Was hätte ich gerne anders gemacht?
- Gab es geringschätzige Bemerkungen oder gab es Anforderungen an mich aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit, die mich verletzt oder wütend gemacht oder eingeschränkt haben?
- Wann war ich auch traurig und habe mich klein und verletzt gefühlt?
Meine Situation heute:
- Was wollte ich immer schon mal ausprobieren und habe es im Laufe der Zeit vergessen?
- Wie sieht mein Tagesablauf aus? Welche Aufgaben und Pflichten habe ich? (Hier ist es sinnvoll, beispielsweise in einem Kreis die Jeweiligen Anteile der Tätigkeiten pro Tag oder Woche wie unterschiedlich große Kuchenstücke aufzumalen: Erwerbsarbeit, Hausarbeit, ggf. Erziehung von Kindern oder Betreuung von älteren Angehörigen, gemeinnützige ehrenamtlich geleistete Arbeit etc. Auch die Freizeit gilt es genauer zu betrachten, wie viel Zeit habe ich zum »Rumhängen« und »Gammeln«?)
- Welche Privilegien habe ich aufgrund meines Geschlechts?
- Wie wäre ich gerne? Was täte ich dann?
- Gibt es Gefühle, die ich weniger Spüren bzw. ausdrücken kann? Welche?
- In welchen Situationen verhalte ich mich typisch weiblich bzw. typisch männlich? Gibt es Situationen, in denen ich Weiblichkeit oder Männlichkeit besonders zeige?
Wichtig ist sich immer wieder an seine eigenen Vorstellungen und Ziele zu erinnern, ebenso die Reflexion als keine einmalige Sache zu sehen, sondern diese Regelmäßig zu wiederholen.
Die Rahmenbdingungen, das Spielverhalten des Kindes und sein Verhalten im Generellen sollte kontinuirlich beobachtet werden, um ihm das bieten zu können, was es gerade braucht, um sich bestmöglch entwicklen zu können.
Auch dazu können einige Fragen hilfreich sein.
- Welche Räume von wem, Mädchen oder Jungen, genutzt werden, ob es geschlechtertypische Unterschiede gibt und wie viel Raum die Kinder generell brauchen.
Bei den Verhaltensweisen der Kinder können Fragen nach Stärken und Interessen gestellt werden oder wie Kinder ihre Emotionen und Bedürfnisse ausdrücken.
- Wie Geschlechter in den verschiedensten Spielen dargestellt werden, ob die Interessen der Kinder bemerkt und umgesetzt werden, ob die Wahl des Spiels vom jeweiligen Geschlecht des Kindes beeinflusst wird oder ob es überhaupt geschlechtertypisches Spielzeug gibt, gilt es bei der Beobachtung des Spielverhaltens heraus zu finden.
Der Umgang mit Kindern die sich
geschlechtsvariant verhalten bzw. transidenten Kindern
Das wichtigste Prinzip im Umgang mit dem Thema Gendervielfalt ist Wertschätzung. Die Kinder sind wie sie sind und haben keinen Einfluss darauf, wie sich ihre Genderidentität entwickelt. Es ist wichtig, Kinder, die nicht-geschlechtskonformes Verhalten an den Tag legen oder verbal darauf hinweisen oder andeuten, dass sie transident sein könnten, ernst zu nehmen und nicht auf Grund ihrer Identität zu diskriminieren. Das zählt sowohl im familiären als auch im außerfamiliären Umfeld. Ebenso wichtig wie das Kind zu akzeptieren und zu unterstützen, ist es, sich selbst die Zeit zu geben, mit der neuen Situation vertraut zu werden.
Es ist keine Schande sich Hilfe zu suchen. Das Gegenteil ist der Fall: Es ist in den meisten Fällen sowohl für das Kind als auch für das Umfeld wichtig, um mit den neuen Umständen zurechtzukommen.
Hilfestellungen für Eltern
Akzeptanz in der Familie
Im Mittelpunkt des Umgangs mit Gendervielfalt steht die Akzeptanz. Dieser liegt zu Grunde, dass man sich ausreichend mit dem Thema beschäftigt und die Hintergründe versteht. Die Akzeptanz selbst ist allerdings ein langwieriger Prozess, der auch einige Jahre in Anspruch nehmen kann.
Durch das Kennen und Verstehen von Fachbegriffen ist man in der Lage, souverän und sicher auf unerwartete Situationen und Fragen im Alltag zu reagieren. Das Vorwissen über Transidentität und andere Geschlechtsidentitäten/Intersexualität ist hilfreich, um die komplette Akzeptanz zu erreichen.
Es ist möglich, dass bei manchen Eltern, welche ein geschlechtsvariantes oder transidentes Kind haben, eine längerfristige Krise entsteht, sobald sie dies erfahren. Alle Eltern reagieren emotional verschieden.
Mit negativen Reaktionen umgehen
Falls eine Person negativ auf das Kind reagiert ist es wichtig sofort einzuschreiten. Man sollte solchen Menschen bestimmt klar machen, dass man sie nicht um ihre Meinung gebeten hat und sie sich nicht beleidigend äußern sollen. Wenn diese Person das nicht verstehen möchte, ist es am besten, dieses Gespräch abzubrechen, aber so, dass diese Person merkt, dass ihr Verhalten der Grund dafür ist, dass man diese Situation verlässt. Es gibt leider Menschen welche geschlechtsvariante oder transidente Menschen aufs Schlimmste diskriminieren.
Bei solchen Diskriminierungen sollte man sofort das Gespräch mit der betroffenen Person suchen. Wenn allerdings auch das nicht hilft, sollte man die Vorgesetzten dieser Personen informieren. Es wäre auch klug, ein Protokoll der Vorkommnisse zu verfassen und zu präsentieren, falls es zu einem gerichtlichen Verfahren kommen sollte.
Häufige Fragen mit denen Eltern konfrontiert werden und mögliche Antworten auf diese finden Sie unter dem Reiter "Fragen und Antworten".
Unter dem Reiter "Downloads" sind Buchempfehlungen zu finden. Sowohl Fachliteratur zur Vertiefung der Thematik als auch Bilderbuchempfehlungen zur Sensibilisierung im Kindergarten und zu Hause.