Allgemeines
Begrifflichkeiten zum besseren Verständnis:
Das Geschlecht
Geschlechtsidentität
Sexuelle Orientierung
Geschlechtsrollen
Geschlechtsvariantes Verhalten
Transidentität
Intersexualität
Genderbewusste Pädagogik
Geschlechterstereotypen
Typische Altersabschnitte des Bewusstwerdens der Transidentität
Begrifflichkeiten zum besseren Verständnis
Das Geschlecht
Das Geschlecht einer Person setzt sich aus dem biologischen Geschlecht, der Geschlechtsidentität, dem psychischen, sozialen und kulturellen Geschlecht und der Geschlechterrolle zusammen. Außerdem gibt es nicht nur die Geschlechter "männlich" und "weiblich", sondern ganz viel dazwischen.
Geschlechtsidentität
Die Geschlechtsidentität ist eine vom biologischen Geschlecht unabhängige tiefe innere Gewissheit männlich, weiblich, beides oder keines von beidem zu sein. Sie ist für andere Menschen nicht sichtbar, da sie innerlich empfunden und persönlich definiert wird. Wenn die Geschlechtsidentität eines Menschen von dem biologischen Geschlecht abweicht, kann er sich bereits mit zwei bis vier Jahren dazu äußern. Die Geschlechtsidentität ist eine aus der sozialen Norm und der eigenen Ich-Identität entstehende Identität.
Sexuelle Orientierung
Bei der sexuellen Orientierung geht es um das Geschlecht der Personen, von denen man sich angezogen fühlt, romantisch oder sexuell.
Die sexuelle Orientierung hat nichts mit dem Geschlecht bzw. mit der Geschlechtsidentität zu tun.
Geschlechtsrollen
Mit der Geschlechtsrolle wird das äußerlich gezeigte Verhalten bezeichnet, mit dem wir unserem Umfeld unsere Geschlechtszugehörigkeit mitteilen. Wir bringen sie z.B. durch Kleidung, Frisur, Eigentümlichkeiten, die Art wie wir sprechen, gehen, spielen und anderen Menschen begegnen zum Ausdruck.
Geschlechtsvariantes Verhalten
Mit geschlechtsvariantem Verhalten werden Verhaltensweisen und Neigungen beschrieben, die nicht typisch für das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht sind. Geschlechtsvariantes Verhalten kann sich durch die Wahl von Kleidung, Spielzeug und Spielgefährten aber auch durch den wiederholten Wunsch des Kindes, dem anderen Geschlecht zuzugehören, äußern. Geschlechtsvariantes Verhalten wird allerdings nur als dieses bezeichnet, wenn es sich um mehr als nur eine kurze Phase handelt.
Transidentität
Dieser Begriff bedeutet, dass die Geschlechtsidentität einer Person nicht dem bei der Geburt zugeordneten biologischen Geschlecht entspricht. Also z.B., wenn sich ein als Junge geborenes Kind, als Mädchen identifiziert. Die Geschlechtsidentität hat auch bei Transidentität, wie bei jeder anderen Geschlechtsidentität, nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun.
Intersexualität
Als intersexuell werden Menschen bezeichnet, welche mit nicht eindeutigen oder einer Kombination aus weiblichen und männlichen Geschlechtsmerkmalen geboren werden. Dabei sind sowohl interne Geschlechtsorgane als auch externe Genitalien und die Chromosomen zu beachten. Bei intersexuellen Säuglingen wird dem Kind oft willkürlich eines der beiden Geschlechter zugewiesen und durch Operationen die Geschlechtsmerkmale verändert. Dies passiert meist nur auf der Basis einer einzelnen medizinischen Meinung und kann zu Problemen im späteren Verlauf des Lebens der betroffenen Person führen. Was intersexuelle und transidente Menschen gemeinsam haben, ist, dass sie sich in ihrem Körper nicht zu Hause fühlen.
Genderbewusste Pädagogik
Das Ziel der genderbweussten Pädagogik ist, jedes Kind nach seinen eigenen und einzigartigen Interessen, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu fördern und zu unterstützen. Fairness, Inklusion und die Beachtung der Kinderrechte sind ebenso ein Ziel der genderbewussten Pädagogik sowie Chancengleichheit.
Das Fundament dafür, bildet die Wertschätzung gegenüber geschlechtlicher Vielfalt.
Obwohl es bedeutsam ist, dass im Kindergarten eine geschlechtliche sowie kulturelle Vielfalt herrscht, ist es nicht von Bedeutung welches Geschlecht die pädagogische Fachkraft im Rahmen der geschlechterbewussten Pädagogik hat. Auf was die Eltern bei der Auswahl der Kindergarten- oder Horteinrichtung für ihr Kind achten sollten, ist also nicht, was für ein Geschlecht die Fachkräfte besitzen, sondern, was für eine Ausbildung sie genossen haben.
Geschlechtssterotypen
Momentan werden Mädchen als die Gewinnerinnen im Bildungsbereich gesehen während die Jungen als unkonzentriert, laut, wild und schwer zu bändigen abgestempelt werden.
Auch wenn Eltern und Fachpersonen immer wieder beteuern, auf Gleichberechtigung Wert zu legen, handeln sie in gewissen Situationen dennoch nach traditionellen Geschlechtsbildern. Wie zum Beispiel bei der Auswahl der Kleidung, des Spielzeugs, Aufdrucke auf Schultaschen, etc.
Typische Altersabschnitte des Bewusstwerdens der Transidentität
Kindheit
Die Geschlechtsidentität entwickelt sich zeitgleich mit dem Spracherwerb, somit teilen Kinder, auch transidente Kinder, ihren Eltern schon sehr früh mit, welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen. Zwischen zwei und drei Jahren ist ein dafür typischer Altersabschnitt. Wenn beispielsweise ein 3-jähriger Junge seiner Mama sagt, er sei ein Mädchen, wird sie diese Aussage vermutlich berichtigen und ihm erklären, dass er ein Junge sei. Diese Reaktion ist normal, da es sein kann, dass es sich tatsächlich nur um eine Phase handelt. Hält diese Phase allerdings länger an bzw. hört nicht auf und besteht das Kind unbedingt auf gewisse Pronomen, Kleidung oder Spielsachen, kann davon ausgegangen werden, dass das Kind tatsächlich transident ist. Wird die Geschlechtsidentität eines Kindes von den Eltern nicht ernstgenommen oder sogar abgestritten bzw. nicht akzeptiert, kann das dazu führen, dass das Kind ein geringes Selbstwertgefühl entwickelt, sich verschließt und die Enttäuschung, nicht angenommen zu werden, in sich hineinfrisst. Die elterliche Unterstützung und Fürsorge ist sehr wichtig für transidente Kinder, damit sie eine positive Selbstwahrnehmung entwickeln.
Eltern können sich, wenn sie sich in einer solchen Situation wiederfinden, Unterstützung holen und sich professionell beraten lassen. Für Familien mit Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren gibt es vom Land Salzburg die Möglichkeit einer psychologischen Familienberatung. Es gibt auch das Angebot der „bridi - Frühe Hilfen Salzburg“, welche für Eltern mit Kindern von 0 bis 3 Jahren vorgesehen ist.
Auch gibt es Familienberatungsstellen des Kontakt- und Kommunikationszentrums für Kinder „KOKO“, an welche sich Eltern wenden können.
Es kann aber auch sein, dass ein Junge weibliche Verhaltensformen zeigt, und sich „nur“ geschlechtsvariant verhält, ohne darauf zu bestehen, ein Mädchen zu sein. Jungen und Männer sind in unserer Gesellschaft in ihren Verhaltensweisen viel eingeschränkter als Mädchen und Frauen. Wenn ein Junge z.B. Frauenkleider bevorzugt, hat das nicht automatisch zu bedeuten, dass er transident oder schwul ist, sondern kann fürs erste als nicht-geschlechterkonformes Verhalten eingeordnet werden.
Herausfinden, was nun wirklich zutrifft, transident, schwul oder geschlechtsvariantes Verhalten, kann man nur mit viel Zeit und Geduld. Man kann eine Antwort nicht erzwingen. Darüber Gewissheit zu erlangen, kann auch mehrere Jahre dauern.
Vorpubertät und frühe Adoleszenz
Zwischen dem neunten und dem 14. Lebensjahr setzt die Vorpubertät ein und somit beginnt ein weiterer Altersabschnitt, in dem es typisch ist, dass Kinder ihre transidente Geschlechtsidentität zum Ausdruck bringen. Durch die tiefgreifenden hormonellen und körperlichen Veränderungen in diesem Alter/Entwicklungsabschnitt kann es zur Hinterfragung der eigenen Identität kommen und es kann sich herausstellen, dass man transident ist. Oft ist es schwierig für Eltern, die Transidentität ihres Kindes zu verstehen und zu akzeptieren, vor allem, wenn diese erst in der frühen Adoleszenz zum Vorschein kommt, weil sie viel längere Zeit ein bestimmtes Bild ihres Kindes hatten, als wenn das Kind bereits als Kleinkind bemerkt und geäußert hätte, dass es transident sei.
Späte Adoleszenz
Die Bewusstheit, transident zu sein, kann auch erst in der Endphase der Adoleszenz eintreten, wenn ein Jugendlicher verschiedene Verhaltensweisen und Geschlechterrollen ausprobiert hat. Selten ist den Jugendlichen bei diesem „Ausprobieren“ bewusst, dass es sich um ihre Geschlechtsidentität handelt, meist denken sie, sie seien schwul oder lesbisch. Es kann auch eintreffen, dass sie ihre körperliche Geschlechtsumwandlung erst im Erwachsenenalter beginnen, da sie zwar schon immer das Gefühl hatten, etwas „stimme mit ihnen nicht“, dieses Gefühl aber nie zum Ausdruck gebracht hatten. Der Grund dafür könnte einerseits Angst vor Ablehnung der Familie bzw. des Umfelds sein. Andererseits könnte es sein, dass sie eben diese Ablehnung erfahren und sich deshalb nicht weiter frei ausgelebt haben.